Sonntag, 4. Juni 2017

Wo die Ostsee "Westsee" heißt, ...

... liegen drei Länder, fast unentdeckt und wenig beachtet: Estland, Lettland und Litauen.

Obwohl diese drei Länder im Nordosten Europas liegen, befindet sich dort auch der Mittelpunkt Europas. Von uns aus mal so knapp 1.600 km entfernt, werden wir deutlich mehr Kilometer fahren und uns auch genug Zeit dabei lassen.

Wir haben ein paar mögliche Ziele ausgesucht, aber viel mehr als Danzig, die Marienburg, den Oberländischen Kanal und Masuren mit seinen Seen, Flüssen und Storchendörfern haben wir auf dem Weg nach Vilnius noch nicht geplant.

Zur Reisevorbereitung haben wir ganz altertümliche Druckerzeugnisse


studiert.

 




Auch für die Streckenplanung vor Ort halten erneut die übersichtlichen analogen Karten aus dem Reise Know-How Verlag
her: wasserfest, reißfest und atmungsaktiv. So richtige Outdoor Karten halt.



Für den Elektronikfreak auf der Reise ist das Garmin Navi aktualisiert und das Android Tablet mit der OruxMaps App ist mit Karten von OpenAndroMaps gefüttert. Die potentiellen POI sind von uns in einer Google Maps Karte zusammengetragen und auf beiden Geräten installiert.

Jetzt nur noch packen und los geht es.

Tag 1: Neuss - Velbert - Polen

Es hat die ganze Nacht geregnet und erst am frühen Morgen hört es auf. Das Regengebiet zieht nach Osten ab und wir fahren hinterher.

In Velbert machen wir die Bäuche und den Tank voll und dann geht es über die A1 und A2 Richtung Berlin. Die Hauptstadt umfahren wir über die A10 und folgen der A11 nach Stettin. An der polnischen "Grenze" gibt es keine Wartezeiten und für die Grenzgebäude wird ein Nachmieter gesucht.

Wir waren etwas zu schnell unterwegs und erreichen die Ausläufer vom Regengebiet. Unser Tagesziel liegt am Miewie See und ist das Kite- und Surferparadies Międzynarodowa Szkoła Wind & Kitesurfing "Miedwie Sport", welches den Sportlern auch eine Wiese für die Wohnwagen zur Verfügung stellt. Da 9 Stunden im Landy eine sportliche Leistung darstellt und wir hin und wieder auch mit dem nassen Element kämpfen, dürfen wir bleiben.

Silvia sucht uns einen windgeschützten Platz und schon stehen wir mit dem Heck an einer Wiese und der Nase im Wind.

Auf dem Platz begrüßen uns Olga und Adam, die mit ihrem Bus aus Berlin unterwegs sind. Sie kommen gerade aus Finnland und nächste Woche geht es nach Norwegen. Auf dem See sind sie mit einem Katamaran unterwegs.

Vor dem Abendessen im Windschutz des Landys drehen wir noch eine Runde zum Steg am See.







Tag 2: Wierzbno - Danzig - Marienburg

Um kurz vor 6 scheint die Sonne auf den Hubdachstoff und weckt die Lebensgeister. 9 Stunden Schlaf reichen und wir stehen auf. Der Frühstückstisch und die Stühle wandern in die Sonne, die Brötchen werden aufgebacken und der gefilterte Kaffee läuft in die Thermobecher.

Als wir um kurz nach halb acht das Tor vom Campingplatz hinter uns schließen, schlafen Olga und Adam noch. Es ist Pfingstmontag aber kein Feiertag hier in Polen. Der fahrende Tante Emma Laden steht im nächsten Dorf und davor haben sich die Dorfältesten zum Schnack versammelt.

Vor uns liegen hunderte von Kilometern auf der Landstraße. Erst über die 10 und dann die 22  Richtung Danzig. Das Tempo auf den Landstraßen liegt bei 90 km/h aber die Polen kleben einem immer ganz dicht auf der Stoßstange und nutzen fast jede Gelegenheit zum Überholen. Die Warnschilder zum Thema Spurrillen nehmen wir dankbar entgegen und halten das Lenkrad mit beiden Händen noch etwas fester.

Über die A1 (Mautgebühr) nähern wir uns von Süden Danzig und parken am Rande der Altstadt. Die Parkuhren nehmen Münzen oder Kreditkarte und nach der Eingabe vom Nummernschild wird das Ticket ausgedruckt. Wir schlendern zum Wasser runter und durch die Gassen der Altstadt. Einen Blick von oben ermöglicht uns die Marienkirche nach dem Erklimmen von 400 Stufen. Ein Pole erklärt uns oben auf der Aussichtsplattform, was wir so alles sehen und wie schnell die Stadt im Moment ihr Gesicht verändert.






Nach der Turmbesteigung schlendern wir noch etwas durch die Gassen und finden auch den Landyparkplatz wieder. Dann geht es nach Osten, raus aus der Stadt, an der Raffinerie vorbei und durch einen malerischen Urlaubslandstrich. Das Navi meldet plötzlich "Fähre fahren" und es geht über die Weichsel an einem Stahlseil geführt an deren Ostufer. Dort erwartet uns so richtiges Kopfsteinpflaster und eine Schmalspurbahn entlang der Straße.




Wir zweigen nach Süden ab und nehmen Kurs auf Malbork. Die Marienburg wollen wir uns morgen früh ausgiebig ansehen. Der Campingplatz am Ostufer des Nogat macht einen sehr gepflegten Eindruck. Zum Abendessen wird ein leckerer Rotwein gereicht und dann freuen wir uns auf die Dusche.



Tag 3: Malbork - Kanał Kula, Rydzewo

Wir sind zeitgleich mit dem ersten Bus am Eingang der Marienburg und das ist auch prima so. Es wird sehr voll im Laufe des Vormittags und etliche Schulklassen wollen durch die Marienburg geführt werden. Wir sind uns nicht sicher, ob die Grundschüler so viel Wissen aufnehmen können.

Die Marienburg ist sehr beeindruckend und der größte Backsteinbau Europas. An der Kasse gibt es einen Audioguide, der einen wunderbar durch die Burg führt. Die Dimension der Burg ist gigantisch. Noch viel beeindruckender ist allerdings der heutige Zustand, wenn man die Bilder der Zerstörung am Ende vom 2. Weltkrieg sieht. Über Jahrzehnte wurde die Burg wieder aufgebaut und erst 2016 wurde die innere Kapelle fertig gestellt.

Vom Burgturm hat man einen tollen Blick über die Marienburg und das Umland. Der Aufstieg lohnt sich. Nach 3 1/2 Stunden Besichtigung sind wird groggy und gehen zum Landy zurück, der direkt am Parkplatz vor dem Eingang steht.




Nun steht zum ersten Mal tanken in Polen auf dem Tagesprogramm. Der Liter Diesel kostet 4,22 PLN und Bezahlung mit der EC Karte geht einwandfrei. Tankstellen gibt es reichlich und die Preise scheinen sich auch nicht wie bei uns, mehrmals am Tag zu ändern.

Als nächstes Etappenziel steht der Oberländische Kanal auf dem Programm. An mehreren Stellen werden die Schiffe auf hölzerne Wannenwagen geladen und mit Seilkraft über die grüne Wiese gezogen. Wir haben allerdings kein Glück und stoßen nur auf eine verlassene Rampe, an der die Wannen parken. Der Wasserstand ist wohl dieses Jahr sehr niedrig und das notwendige Ausbaggern ist erst ab 2018 eingeplant.



Auf der Weiterfahrt zur nächsten Rampe entdecken wir eine sehr alte Baumallee mit einem ebenso alten Kopfsteinpflaster. Der Landy wird über mehrere Kilometer ganz ordentlich durchgeschüttelt. Aber auch an der nächsten Station sind keine Schiffe in Sicht, nur ein paar Arbeiter.



Nach den Fotostopps fahren wir Richtung Masuren. Unterwegs sehen wir nicht nur Storchennester mit Alt- und Jungstörchen sondern auch Störche auf den Wiesen rechts und links der Landstraße, die nach Futter suchen. Sie werden nicht nur auf den Wiesen, sondern auch in den zahlreichen Tümpeln fündig. Hier scheint die Natur noch in Ordnung zu sein.

Auf den kleinen Landstraßen muß man sich sehr konzentrieren, wachsen die Bäume doch bis an den Straßenrand heran. Ausweichmöglichkeiten gibt es keine aber die Polen überholen auch hier schonungslos. Woher nur diese Eile stammt?

Wir sind froh, als wir die Landstraße 16 südlich vor Lötzen verlassen und uns an einem See niederlassen. Ein Bootsverein mit Campingmöglichkeit ist heute unser Lagerplatz. Bei mitgebrachten Nudeln und Pesto klingt der Tag aus und nach dem Abspülen hacke ich noch die Zeilen in mein Smartphone. Im Hintergrund läuft Musik aus unserer Jugendzeit.




Tag 4: Kanał Kula, Polen - Rūdiškės, Litauen

Die Nacht wurden wir Ohrenzeugen der polnischen Seele und gegen zwei Uhr wach, als kräftige Männerstimmen polnische Lieder anstimmten. Es geht das Gerücht, dass vermehrter Alkoholkonsum im Spiel gewesen ist.

Am Morgen bleiben wir 30 Minuten zu lange im Schlafsack um die Habseligkeiten trocken zu verstauen. So überrascht uns der Regen beim Frühstück und es wird eine etwas feuchte Einpackaktion. Wir stellen den Landy in den Wind, damit uns beim Zusammenfalten vom Hubdach nicht der ganze Regen ins Heck drückt.

Wir starten den Tag also im Regen und über kleine Straßen, mal mit Belag, mal ohne. Uns fallen viele verfallene Gebäude auf; Wohnhäuser, Bauernhöfe und auch größere Fabrikanlagen mit eigener Tankstelle.


Der "kürzeste Weg" führt uns manchmal auch über Sandpisten und mitten durch den Wald, der nur so von Mücken wimmelt. Also nicht lange stehen bleiben sondern weiter geht es.





Auch heute begegnen uns wieder viele Störche. In den Nestern oder zusammen mit Kranichen auf den Feldern. Nach ein paar Tagen ist man an deren Anblick schon so gewöhnt, dass es normal ist.

Wir nähern uns über die Via Baltica der Grenze zu Litauen. Kurz vor der Grenze gehen wir noch etwas Einkaufen und die polnische Kassiererin spricht uns mit akzentfreiem Deutsch an. Dann passieren wir die Grenzanlagen und auch hier ist reinweg nichts los. Ein paar Zöllner liegen beidseitig der Grenze auf der Lauer und fischen ein paar LKW von der Landstraße. Und dann sind wir schon in Litauen und somit im Baltikum.

Es geht Richtung Vilnius über einwandfreie Straßen. Viele mit EU Mitteln gefördert und fast ohne Verkehr. Das Landschaftsbild in den Dörfern ist direkt ein ganz Anderes, da hier wirklich sehr viele Häuser und Höfe aus Holz gebaut sind. Manche total verfallen, andere wiederum sehr gut gepflegt. So manch ein kleines Wochenendhaus mit eigenem Bade- und Angelsee wird sehr liebevoll gepflegt.

Als wir uns am Nachmittag für einen Campingplatz entscheiden müssen bemerken wir, dass wir die Uhrzeit noch nicht vorgestellt haben. Deshalb kam uns die Ankunftzeit im Navi so seltsam vor.

Wir entscheiden uns für Landgoed de Harmonie, einem echt niederländischen Campingplatz in Litauen. Es ist eine echte Wohlfühloase inmitten eines Waldes. Eine tolle Anlage, überdachte Sitzgelegenheiten, schöne Wiesen und Blumen und außer den Vögeln hört man fast nichts. Der Platz ist wohl auch sehr beliebt bei Russland- und Mongoleireisenden.

Nach der Ankunft lichtet sich der Himmel und die Sonne kommt zum Vorschein. Heute Abend kommen Speck und Ei in die Pfanne und vielleicht noch etwas Ziegenkäse dazu.





Tag 5: Vilnius - Mittelpunkt Europas - Rumšiškes

Ups, wir haben verschlafen und werden erst nach acht wach. Das muss an der Ruhe in dieser Oase liegen. Nur Kuckuck und Drossel können ihren Schnabel nicht halten und unterhalten sich lautstark.

Das Frühstück genießen wir in der Sonne auf einer bereitgestellten Holzbank, die heute früh ein Belgier mit seinem Jeep Wrangler geräumt hat. Das Packen geht schnell und wir fahren auf einer Lehmpiste durch den Wald bis zur A4, die uns dann weiter über die A16 und A1 nach Vilnius rein führt. Die Zufahrtstraßen weisen ganz ordentliche Spurrillen auf und verfügen an vielen Stellen über keinen Beschleunigungsstreifen.



In Vilnius steuern wir einen bewachten Parkplatz neben dem Burghügel an, den wir auch direkt erklimmen. Von dort oben haben wir einen tollen Blick auf Vilnius, dies- und jenseits der Neris.



Dann schlendern wir durch die Straßen der Altstadt und werfen so manch einen Blick in die Hinterhöfe. Es gibt das totale Kontrastprogramm: vorne hui und hinten pfui oder auch mal anders herum. Es wurde schon und wird viel renoviert und gebaut. Den kleinen Hunger zur Mittagszeit bekämpfen wir in einem traditionellen Restaurant in der Altstadt und etwas später in einem Cafe.





Im Stadtkern fallen uns neben den zahlreichen Kirchen noch die Oberleitungsbusse und das Kopfsteinpflaster auf, über das wir rumpelnd die Neris überqueren und Vilnius in nördlicher Richtung über die A14 verlassen.



Wir steuern den geographischen Mittelpunkt Europas an, den die Franzosen so vermessen haben. Er liegt inmitten von einem Golfplatz und am Parkplatz muß man sich entscheiden: Abschlag Loch 7 oder Mittelpunkt. Nach ein paar Minuten Fußweg erreicht man den Vermessungsstein und ein Meer von Flaggen.  Auf Wunsch bekommt man auch noch eine Bescheinigung über den Besuch ausgestellt.




Wir verzichten darauf und fahren Richtung Westen, um uns am ethnografischen Museum in Rumšiškės niederzulassen. Ein WOMO Stellplatz in ruhiger Lage bietet zwar keinen Komfort aber wir können das Freilichtmuseum mit seinen 150 Gebäuden am nächsten Morgen ohne weitere Anfahrt besuchen.


Tag 6: Rumšiškės - Ventė

Nachdem die Ortsansässigen am Abend Landy und Wohnmobile bestaunt haben, wurde es dann doch noch ruhig auf dem Parkplatz. Am Morgen wecken uns die Sonnenstrahlen und der Tag soll sonnig und warm werden. Das Freilichtmuseum öffnet um 10 Uhr, aber vorher sind schon eine Menge Arbeiterinnen und Arbeiter unterwegs. Zusammen mit einer Schulklasse sind wir die ersten Besucher, nehmen uns einen Plan und sind die nächsten 2 1/2 Stunden unterwegs.

Aus ganz Litauen sind alte Bauernhäuser und Hofanlagen zusammengetragen worden und liebevoll in einzelnen Gruppen für die Besucher arrangiert worden. Wir gehen zu Fuß durch die Anlage, andere Touristen werden mit dem Reisebus gefahren. Wir sehen zu, dass wir nicht mit den Reisebusmenschenmassen kollidieren.


In dem Museum scheint jedes Haus oder jede Hofanlage einen Betreuer zu haben, die sich um den Erhalt des Hauses kümmern. Der Staub wird weggefegt, die Blumen gegossen und die Gärten werden bearbeitet. Die Häuser stammen von Handwerkern und Bauern. Arm und reich sind vertreten und die Unterschiede sind groß. Sogar Tapeten zieren die gute Stube.







Wir umfahren Kaunas und der Weg Richtung Westen führt über die 141 an der Nemunas entlang. Unterwegs besteigen wir über eine Holztreppe die Höhen nördlich der Nemunas und haben von oben einen tollen Blick über das Tal. Durch die kleinen Orte abseits der Schnellstraße führen üble Kopfsteinpflasterstraßen und wir holpern nur langsam darüber.



Bei Raudonė werfen wir nur einen kurzen Blick auf das Schloss Panemuné. Die Parkplätze sind übervoll und auch entlang der Straße stehen sehr viele Autos.


Also weiter nach Bitėnai. Dort brüten die Störche in den Bäumen am Ortsrand. Wie auch schon seit Anfang unserer Reise in Polen, sind die Jungen in den Nestern und warten auf die Eltern und die Fütterung.




In Šilutė versorgen wir uns noch mit frischem Brot und Wasser, bevor wir die letzten Kilometer bis zum Haff zurücklegen. Bei Ventainė stehen wir auf einem wunderschönen Wiesenplatz mit Restaurant, dessen 10 Stellplätze fest in deutscher Hand sind. Sogar aus NE ist ein Wohnmobil dabei. Heimat.






Tag 7: Ventė - Nida

Nachdem der ganze Campingplatz gestern Abend gemeinsam den Sonnenuntergang genossen hat, sind sehr viele Camper heute früh um 9 Uhr mit der Personen- und Radfähre nach Nida übergesetzt. Schlagartig ist der Platz leer und wir genießen unser Frühstück.

Die erste Station für heute ist die ornithologische Station mit den riesig großen Fangnetzen. Hier werden die Zugvögel eingefangen und erfasst, um danach frisch beringt wieder ihren Artgenossen zu folgen.




In Minija ist das Hauptverkehrsmittel das Boot. In einem kleinen Yachthafen liegen die Segelboote, auf dem Kanal fahren ein paar Ausflugsdampfer und so manch einer hat den Kanal auch schon so richtig voll. Nette Häuser zieren den Kanal aber auch so manch baufällige Hütte ist dabei.





Am Wegesrand lassen sich die Störche sehr gut bei ihrer Suche nach Futter beobachten.


Auf unserem Weg nach Kleipeda fahren wir zwischen Uogaliai und Svencelė auf einer sehr schönen Strecke mitten durch den Wald. Alle paar Meter lädt eine Sitzgelegenheit zum Verweilen ein.



Nach dem schönen Waldstück führt uns der Weg wieder über die 141 nach Kleipeda. Das Garmin führt uns auf dem kürzesten Weg durch Kleipeda und kilometerlang vorbei an den Plattenbauten der Stadt. Nach einem letzten Rechts- und Linksabbieger stehen wir vor dem Fähranleger. Die Dame an der Kasse will die Fahrzeugpapiere für die Berechnung der Fährpassage sehen und so sind wir mit etwas über 19 € dabei.



Da gestaltet sich die Zufahrt ins Naturschutzgebiet doch deutlich einfacher und nach Bezahlung von 5 € öffnet sich die Schranke.

47 km folgen wir der Straße nach Süden, bevor wir den Campingplatz bei Nida errreichen.


Nida besuchen wir zu Fuß, welches wir in 25 Minuten erreichen. Extrem viele (Bus-)Touristen und Verkaufsbuden sind das Erste, was wir registrieren. Es ist gar nicht so leicht, den ursprünglichen Ortskern zu finden. Viele der alten Holzhäuser sind zu mieten. In unmittelbarer Nachbarschaft finden sich die neuzeitlichen Bausünden.




Das kleine Cafe "Gardumelis" mit dem leckeren Kuchen finden wir trotzdem, ebenso wie das Gartenrestaurant "PAS JONĄ" mit Bierausschank und Räucherfisch am Abend. Innen drin holt Mann das Bier und bezahlt es auch direkt. Draußen steht Frau in der Schlange für den frischen Räucherfisch. Gegessen wird mit den Fingern, ein Waschbecken mit Seife ist direkt neben dem Räucherofen. Was für ein leckeres Abendessen!



Zurück am Landy quatschen wir erst etwas mit den Schweizer Nachbarn und lassen dann den Abend in der Sonne ausklingen.



Tag 8: Nida - Gautačiai

Heute früh sind wir mal zeitig auf den Beinen und nach der Dusche und dem Frühstück geht es zum Aussichtspunkt mit Blick auf die Sanddüne. Den Landy lassen wir auf dem Campingplatz stehen, wie auch die schweizer Nachbarn ihren Bus. Es sind noch nicht so viele Touristen unterwegs aber die Souvenierverkäufer rüsten ihre Verkaufsstände schon für die erwarteten Reisebusse und sie akzeptieren sogar Kreditkartenbezahlung.



Dann geht es wieder Richtung Fähre aber wir legen noch einen Fotostopp in dem schönen Örtchen Juodkrantė ein. Auch hier sind ein paar alte Villen wieder sehr ansehnlich hergerichtet worden.



Beim Verlassen des Naturparks ist ein kurzer Halt am Stoppschild obligatorisch und unser Nummernschild wird wieder aus der Datei gelöscht (so hoffe ich doch). Kurz darauf erreichen wir die 3 Wartespuren der Fähre, die uns wieder nach Klaipeda bringt. Wir verlassen Kleipeda über die A1 nach Osten und biegen bald darauf auf die 166 in nordöstliche Richtung ab. Unser nächstes Ziel ist der Zemaitijos Naturpark nördlich von Plunge. Luchse und Elche leben hier aber wir bekommen keinen zu Gesicht. Die Wege für die Fahrradfahrer sind im Naturpark in deutlich besserem Zustand als die Straßen und das deutet ganz bestimmt auf die Zielgruppe hin.

Nordöstlich vom See Platelių ež. befindet sich ein ganz anderes Ziel. Es ist eine ehemalige Raketenstation aus den Tagen des Kalten Krieges und die Sowjetunion hatte hier atomare Interkontinentalraketen in 4 Silos stationiert. 300 Mann stark war die Besatzung und nun ist die Anlage für Besucher zugänglich. Durch 10 verschiedene Museumsräume führt der anschauliche aber auch sehr bedrückende Rundgang, ehe man in eines der 30 m tiefen Silos gelangt. Wir sind froh, als der Spuk ein Ende hat und das uns der kalte Krieg als Kinder gar nicht so belastet hat.





Wir verlassen den Naturpark wieder und wenden uns Richtung Osten der Stadt Šiauliai zu. Im Norden besuchen wir mit dem Berg der Kreuze eines der wichtigsten nationalen Denkmäler Litauens. Eine schier unendliche Anzahl an Kreuzen, groß und klein, ist hier zu einem begehbaren Berg aufgestellt. Große Kreuze sind über und über mit kleinen Kreuzen und Ketten behangen und wir sehen auch ein paar Kreuze aus Deutschland. In der späten Nachmittagssonne wirkt der Berg nicht mehr ganz so bedrückend wie noch Momente vorher unter dunklen Wolken.







Ganz in der Nähe ist zwar ein schöner WoMo Übernachtungsplatz aber leider ist keiner zu Hause. Ein Wohnmobil aus Neuss wartet schon seit 30 Minuten und somit entscheiden wir uns noch ein paar Minuten weiter zum nächstgelegenen Sunny Nights Camping zu fahren. Was für eine tolle Anlage. Wiesenstellplätze zwischen Apfelbäumen, ein netter Empfang, ein paar Besuchstipps vom Hausherrn und einen Krug Cider aus dem hauseigenen Keller. Hier lassen wir die Seele in der Abendsonne baumeln.







Tag 9: Gautačiai - Ulmale, Lettland

Früh um 6:00 fängt es an zu regnen aber zwischen 8:00 und 10:00 ist es trocken. Wir frühstücken vorne im Raum neben der Rezeption, wo auch eine Küche den Gästen zur Verfügung steht. Wir quatschen noch über dies und das mit dem Betreiber und verabschieden uns, nicht ohne noch eine Flasche Cidre für unterwegs gekauft zu haben.

Über die A12 fahren wir nach Jelgava und ehe wir uns versehen, sind wir auch schon über die Grenze gefahren und befinden uns nun in Lettland. Das Schloss in Jelgava sieht im Reiseführer deutlich besser in Schuss aus, als es nun in der Realität ist. Es mag vielleicht auch etwas am Regen liegen oder am fehlenden Putz oder der fehlenden Farbe.

Also weiter durch die Stadt nach Westen an die See. Bis zu P130 zeigt uns das Garmin auf kürzestem Weg die Nebenstraßen in Lettland. Es geht durch Felder und Wälder immer auf Naturstraßen entlang und nach kurzer Zeit ist der Landy in eine schöne braune Sandfarbe gehüllt. Genau wie die allermeisten Fahrzeuge hier. Als wir mal wieder mitten durch ein Waldstück fahren, sehen wir einen ganz alten Friedhof. Nur noch ein einziges Grab wird gepflegt und ein paar Grabsteinsockel sind sichtbar.




Ein von den Sowjets wenig beachtetes Städtchen ist Kuldīga, wo Europas breitester Wasserfall und eine tolle Bogenbrücke zu Hause ist.




Im Ort selbst scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Es ist schwer vorstellbar, dass in so manchem Haus noch Menschen wohnen. Andere Häuser sind liebevoll renoviert und so bietet Kuldīga ein tolles Kontrastprogramm für die Kamera. Das wurde wohl auch so einer japanischen Reisegruppe verkauft, die durch die Straßen schlendert. Auf jeden Fall ist Kuldīga einen Besuch wert.









Bei Jūrkalne erreichen wir die Steilküste und sind kurz darauf am Etappenziel. Der Campingplatz Sīļi liegt direkt an der Steilküste und eine eigene Treppe führt zum Strand hinunter. Die Einfahrt zum Campingplatz befindet sich bei 56°58'18.5"N 21°20'48.7"E.



Wir sind nur 3 Fahrzeuge auf dem Platz und habe alle "Meerblick" mit ordentlich Wind gebucht.




Im nahe gelegenen Restaurant Imantas lassen wir es uns schmecken und kochen nicht selbst. Ob die Sonne heute rot ins Meer plumpst ist im Moment noch nicht absehbar. Ich werde morgen darüber berichten.


Tag 10: Ulmale - Abragciems

Die Sonne ist gestern Abend nicht rot ins Meer geplumpst. Aufkommende Wolken haben dies verhindert.

Die ganze Nacht war es ordentlich windig und die angrenzenden Bäume haben mit ihrem Rauschen das nahe Meer übertönt. Wir machen uns früh auf den Weg, da heute eine Menge Regen angekündigt ist. Die Schranke vom Campingplatz ist noch zu aber der Chef kommt schon mit Regenschirm angeeilt und fängt an zu Kurbeln. Wofür sind bitteschön das Stromkabel und der Motor? Manche Dinge muss ich nicht verstehen.

Es geht Richtung Ventspils und wir sehen uns auf der Fahrt nichts Besonderes an. In Ventspils sind die Anzahl und die Ausstattung der Kinderspielplätze und der Gärten und Springbrunnen bemerkenswert. Der Straßenverkehr in der Stadt geht sehr gesittet von statten. Wir fahren mitten in einen alten Hafenbereich rein, wo ein auf dem Trockenen liegendes Schiff als Aussichtsplattform dient. Der Wind ist so stark, dass es den Sand vom Strand über die Straße fegt. Da es im angrenzenden Naturschutzgebiet keine Tankstellen geben soll, nutzen wir die große Tankstellenverfügbarkeit in Ventspils und lassen die Luft aus dem Tank.




Es geht weiter nach Norden Richtung Kolka. Auf dem Weg gibt es Allerlei rechts und links im Wald zu bestaunen. Zuerst den Leuchtturm von Oviši, aber der Wärter war nicht zu Hause und so wurde es nichts mit der Turmbesteigung.



Danach die Radioteleskopstation von Irbene. Früher wurden hier westliche Gespräche abgehört aber heute dient das Radioteleskop der Wissenschaft. Die Anfahrt durch die verfallene Kaserne ist interessant.



Wir wollen noch etwas durch die Wälder fahren aber eine nicht mehr vorhandene Brücke macht uns nach wenigen hundert Metern einen Strich durch die Rechnung. Es geht zurück zur Landstraße.

Im Küstenwald von Mazirbe bestaunen wir Zeitzeugen der unrühmlichen Sowjetischen Vergangenheit. Dem Volksstamm der Liven wurde ihre Lebensgrundlage auf Land und in den Wald gezogen: die schweren Fischerboote. Heute gibt es nicht mehr viele Liven und das Volk ist vom Aussterben bedroht. Die Sprache wird nur noch von ganz wenigen Menschen gesprochen.




Da es uns im Wald gut gefallen hat, bleiben wir noch etwas. Die Wege sind alle einspurig und werden immer schmaler. Umgefallene Bäume müssen durchgesägt oder vorsichtig unterfahren werden. Wir sind fast 2 Stunden für wenige Kilometer unterwegs. Kurz vor Erreichen der Landstraße wird es noch mal richtig eng aber wir meistern auch diesen Abschnitt und schütteln bald darauf den Lehm aus dem Reifenprofil.






Am Kap Kolka scheint wieder die Sonne und es windet zudem ganz ordentlich. Am Kap treffen die Wassermassen der Ostsee und der Bucht von Riga derart heftig aufeinander, dass Schwimmen wegen der gefährlichen Strömungen verboten ist. Der Sand fliegt horizontal von links nach rechts und wir schützen unsere Kameras.





Nach einer kurzen Runde um das Kap herum fahren wir weiter und wollen mal wieder auf einem Campingplatz mit Dusche übernachten. Die erste Gelegenheit bietet alles und noch ein super Restaurant dazu, aber eine Festgesellschaft hat sich zum Feiern angekündigt und wir fürchten um unsere Nachtruhe. Also noch einmal 50 km abspulen, zwischendurch am Straßenrand geräucherten Fisch für den Abend kaufen, und dann laufen wir auf dem Campingplatz in Abragciems ein. Das Tarp am Heck und die Markise an der Seite schützen uns vor dem einsetzenden Regen. Ab morgen soll wieder die Sonne scheinen und mal sehen, was wir dann so machen.



Am Abend gesellten sich Jutta und Wolfgang zu uns. Sie sind auf dem Weg die Ostsee zu umrunden und erzählten interessante Geschichten vergangener Reisen.


Wenn ihr mehr lesen wollt: http://gecko-reisen.blogspot.de/


Tag 11: Abragciems - Sigulda

Die Sonnenstrahlen über der Bucht von Riga wecken uns früh. Also nutze ich die Gunst der Stunde und möchte warm duschen, doch die Putzkolonne macht mir einen Strich durch die Rechnung. Fuge um Fuge, Fliese um Fliese wird akribisch gereinigt und der Putzmittelgeruch liegt schwer in der Luft. Also doch erst frühstücken und etwas später zum Duschen.



Da wir gestern nach der Ankunft Heck- und Seitenmarkise aufgebaut hatten, dauert das zusammen rödeln heute früh etwas länger aber überaus zeitig brechen wir auf. Der Weg führt uns entlang der Bucht und in Jaunkemeri biegen wir Richtung Süden nach Kemeri ab. Südlich von Kemeri und auch noch südlich der A10 wollen wir einen Rundgang durch das Moor machen. Der Abzweig von der A10 führt vorbei an einem sehr großen Friedhof im Wald und dann fahren wir noch ein paar Minuten bis zum Parkplatz. Von dort gehen wir 500 m durch den Wald, ehe der Weg Richtung Moor abzweigt.

Im Moor gibt es einen 1,5 km und einen 3,5 km langen Rundweg. Wir wählen bei schönstem Sonnenschein und einer steifen Brise die längere Strecke, da auf ca. halber Strecke noch ein Aussichtsturm eine tolle Panoramasicht verspricht. Der Turm darf nur von max. 12 Personen gleichzeitig bestiegen werden. Der ordentliche Wind zwingt uns zeitig zum Abstieg und wir setzen unsere Runde über die 3 parallel laufenden Längsplanken fort. In den kleinen Moorseen sind noch kleinere Inseln und auf jeder Insel wächst zumindest ein Bäumchen. Es ist ein wirklich lohnenswerter Rundgang.

Dann steuern wir auf direktem Weg Riga an und parken ganz nah der Altstadt, direkt neben der Daugava. Der Fluß ist deutlich breiter als der Rhein bei Neuss und da Riga auch einen direkten Zugang zum Meer hat, "parken" zwei Kreuzfahrtschiffe quasi in der Stadt. Im Lido gehen wir etwas Essen und danach schlendern wir durch die Altstadt.

Wir verlassen Riga und fahren in den Gaujas Nationalpark. Die Straße nach Sigulda führt kerzengerade aus Riga hinaus. Die A2 ist eine ordentliche Katastrophe und tiefe Spurrillen und Schlaglöcher lassen die maximal erlaubten 90 km/h nicht zu.

Die ersten beiden potentiellen Stellplätze sind mir nicht "grün" genug und so übernachten wir auf dem örtlichen Campingplatz direkt an der Gauja. Dort treffen sich Kanuten und Globetrotter und so sehen wir auch den LKW mit den 12 Dachzelten aus Nida wieder.


Tag 12: Sigulda - Kabli, Estland

Im Gaujas Nationalpark darf sich der Landy heute mal der vom Garmin vorgeschlagenen kürzesten Strecke stellen. An einem Gehöft geht es von der unbefestigten Straße nach links in den Wald rein. Erst sieht es nach einem gemütlichen Ausflug durch Wald und Wiese aus aber dann wird der Bewuchs immer dichter, der Boden immer weicher und die Äste kommen immer näher. Hier scheint lange kein Fahrzeug mehr entlang gefahren zu sein und mit der Höhe von 2,30 m liegen wir noch ganz gut im Rennen. An einer Stelle müssen wir ein paar junge Bäume von der Piste zurück in den Wald drücken und nach ein paar weiteren Metern tut sich eine ordentliche Lücke in der Fahrspur auf. Wasser hat die Fahrspur unterhöhlt aber der Landy paßt von der Breite noch ganz gut drüber. Der Sandboden ist weich und um im Fall der Fälle möglichst viele Antriebsreserven zu haben, lege ich Differentialsperre und Untersetzung ein.

Dann rolle ich auf die Stelle zu und die Vorderräder passieren die Gefahrenstelle. Das rechte Hinterrad sinkt etwas ein. Ich bleibe am Gas und der Landy wühlt sich durch die Fahrbahnvertiefung. Alles gut! Wir navigieren Richtung Cēsis weiter durch den Wald und landen an einer weiteren, markierten Gefahrenstelle. Diese lassen wir links liegen und fahren aus dem Wald heraus. Für heute ist das genug Abenteuer und es geht ganz normal über eine Mischung aus Asphaltband und Naturpiste zu nächsten Stadt: Limbaži. Dort ist ein Versorgungshalt eingeplant und es geht im Inland weiter über die P12 nach Salacgrīva.

In Salacgrīva werden im Fluß Salaca auf eine ganz besondere Weise Fische gefangen. Es führt ein schmaler Holzsteg quer über den Fluß und es wird ein Netz in den Fluß gehängt, in dem sich die Fische dann verfangen. Heute ist kein Fangtag und der Steg liegt malerisch in der Sonne.

Die Grenze nach Estland ist nicht fern, der Diesel dort ewas teurer als in Lettland und da tanken wir noch mal voll. Ein Verbrauch von ganz knapp unter 10 L/100 km ist wirklich gut. Der Grenzübertritt ist unspektakulär, die Landstraße in Estland von besserer Qualität als noch in Lettland und wir erreichen unser heutiges Ziel nach weniger als 30 km. Der Mini Kämping bietet eine schöne Wiese, eine kleine Sanitärhütte und Wifi (für den Blog). Wir können noch ein paar Stunden Sonne tanken, stört doch kein einziger Baum.



Tag 13: Kabli - Moldri

Nach einem langen Abend in der Sonne werden wir am Morgen von dieser wieder geweckt. Obwohl der Sonnenplatz von Wald umgeben ist, war der übliche "Lärm" der Vögel erträglich. Jetzt ein schnelles Frühstück, Markise und Dachzelt einklappen und los geht es. Knappe 2 Stunden benötigen wir für die Strecke bis zum Fährhafen Virtsu, von dem die Fähre in 25 Minuten auf die Insel Muhu benötigt. Wir haben die Webseite der Fährgesellschaft am gestrigen Abend gecheckt und uns Aufgrund der großen Anzahl an verfügbaren Plätzen gegen eine Reservierung entschieden. Eine staubige Baustelle auf der A10 vor Virtsu bremst uns etwas ein und auf den 3 Wartespuren vor dem Check-In ist nichts los. Wir lösen das Ticket und um 11:25 geht es auf die Fähre. Die 8 Wartespuren sind dann doch voll geworden und es kommen nicht alle LKW und PKW mit.

Bereits 5 Minuten vor der Ankunft ermahnt uns der Kapitän, dass wir zügig die Fähre verlassen sollen, da er zum Ent- und Beladen nicht viel Zeit hat. Also los und wir biegen nach dem Hafen direkt links in eine Sackgasse ein. Es ist eine historische Kopfsteinpflasterstrecke, die uns zu einem kleinen Dorf mit einer Bockwindmühle führt. Wie aus einer vergangenen Zeit fügen sich die Häuser und kleinen Felder und Gärten malerisch in die Landschaft ein.

Wohl gemerkt, wir sind noch auf der Insel Muhu, die mittels Damm mit der Insel Saaremaa verbunden ist. Bevor wir über den Damm fahren machen wir noch einen Abstecher nach Koguva, wo das Dorf einem Museum gleicht. Alte Bauernhäuser, teilweise mit Reet gedeckt, sind von Moos bewachsenen Steinmauern umgeben. Alte Fischerboote liegen Kopfüber auf diesen Mauern und bilden einen Unterstand.

Im Hafen lockt ein etwas edleres Restaurant zum Speisen. Die frisch geräucherte Seenadel hat grüne Gräten und es sieht etwas seltsam aus, schmeckt aber vorzüglich.

Das nächste Ziel liegt dann bei Kaali auf Saareemaa. 9 Meteoritenkrater mit einem Hauptkrater, der für Touristen gut zugänglich ist. Je nach Wetterlage ist der Hauptkrater mit mehr oder weniger Wasser gefüllt.

Die Verpflegungslücken stopfen wir in einem großen Supermarkt in Kuressaare. Dort treffen wir auch einen anderen Keswick grünen Landy aus Görlitz. Wir durchqueren Kuressaara in Längsrichtung und nach einem Schlenker über die südliche Halbinsel steuern wir ein weiteres Idyll an: den Campingplatz Muha Talu. Eine grüne Rasenfläche, quasi der Garten hinterm Haus. Einfach nur empfehlenswert.



Tag 14: Moldri - Voose

Die Nacht war sehr ruhig doch wir hatten geglaubt, das Gehäule von Wölfen vernommen zu haben. Unsere Vermutung wird kurz vor der Abreise bestätigt, als uns der Hausherr das Jagdzimmer zeigt: 2 Wölfe gehören zu seinen Trophäen und seine Jagdleidenschaft erklärt auch die ungewöhnliche Art von Haken und Türgriffen im Sanitärgebäude. Schaut mal selbst nach. Der Hausherr denkt über den Verkauf der Anlage und einer Auswanderung nach Portugal nach. Dort könne er das ganze Jahr Motorrad fahren und nicht nur 3-4 Monate wie in Estland. 2x im Jahr ist er schon dort um Urlaub zu machen.

Wir fahren zu den Klippen von Panga und zum Glück ist so früh noch keine Busladung ausgekippt worden. Die Souvenirverkäuferin ist allerdings schon vorbereitet und lauscht solange den Klängen aus ihrem Smartphone.

Auf dem Weg nach Leisi passieren wir wunderschön blühende Wiesen, die hier auf Saaremaa einfach nur Wiese sein dürfen und nur so in der Landschaft herumliegen. Sie scheinen keinem Herren dienen zu müssen noch einen Zweck zu erfüllen. Sie genügen sich selbst. Einfach traumhaft.

Dann halten wir bei Mustjala Mustard, wo 2 Deutsche selbst gemachten Senf verköstigen und verkaufen. Wir nehmen 3 Sorten für uns selbst und das Gläschen mit dem Totenkopf für einen Landy Kumpel in der Heimat. Ich quatsche noch etwas mit Birgit und sie erzählt mir, dass die Natur hier oben üblicherweise 4 Wochen zurück ist aber durch einen Wintereinbruch im Mai noch einmal weitere 2 Wochen hinterher hinkt. Nun gibt es zwar schon Erdbeeren aus dem Plastiktunnel aber zum stattlichen Preis von 12 € pro Kilo.

Bei Angla besichtigen wir den Windmühlenhügel. Wir bleiben außerhalb vom Zaun und ersparen uns den Museumsbesuch. Dann geht es auf direktem Weg nach Triigi, um mit der Fähre nach Hiiumaa überzusetzen. Wir warten und warten und sollten eigentlich die ankommende Fähre sehen können. Da erklärt uns ein freundlicher Este, dass die Fähre defekt ist und heute keine einzige der 3 Überfahrten stattfindet. Also Planänderung, Hiiumaa streichen und zurück auf das Festland. Am Anleger in Orisaare ist nichts los und die Fähre ist schon in Sichtweite.

Auf der anderen Seite angekommen fahren wir ohne Verzögerung durch die Baustelle der A10 und biegen kurz nach dem Baustellenende nach Norden in die P31 ab. Ein Waldcamping mit leider ziemlich viel Mücken ist unser Zuhause für die Nacht.



Tag 15: Voose - Olümpiakeskus, Tallinn

Camping im Wald war keine gute Idee. Trotz brennender  Mückenspirale und ANTI BRUMM sind ein paar von den Mistviechern an uns ran gekommen. Der nächste Übernachtungsplatz wird wieder am Meer gesucht.

Nach dem Frühstück machen wir etwas Strecke und sind nach einer Stunde auf historischem Grund in Haapsalu angekommen. Der dortige Bahnhof ist eine Augenweide. Er wurde 1909 für die Zarenfamilie und andere Gäste des Seebades errichtet. Auf den Gleisen steht frei zugänglich rollendes Gut. Eine Baureihe 52 aus München fand den Weg über Österreich, Ungarn und die CCCP in das Museum und hat weit über 400 Tkm abgespult.

Der nächste interessante Halt ist in Rummu. Das dortige Gefängnis ist eine riesige, stillgelegte Anlage aber die Ruinen stehen noch. Ebenso die Abraumhalden von dem Marmorabbau, in dem die Gefangenen schuften durften. Heute hat eine Tauchbasis sich am angrenzenden klaren See niedergelassen und die im See versunkenen Gebäude sind wohl ein lohnendes Tauchrevier. Auf das Haldengelände kommt man wohl nicht ganz legal, aber das stört hier keinen.

Bei Schloss Fall besichtigen wir den dortigen Wasserfall, der dem Schloss seinen Namen gegeben hat. Im angrenzenden Selbstbedienungscafe gönnen wir uns Kaffee und Kuchen. Die Küche ist auch am Nachmittag besetzt und Burger und Pommes gehen wohl immer.

Wir tingeln weiter die Küstenstraße entlang und erreichen den Rand von Tallinn. Da wir bis hier keinen gescheiten Übernachtungsplatz gefunden haben, schauen wir uns mal den Stadtcamping in Tallinn an. Hinter Messehallen versteckt sich dieses "Kleinod". Wir wenden auf der Stelle und fahren 2,7 km weiter bis zum ehemaligen Olympiastützpunkt im Yachthafen. Wenigstens eine kleine Wiese hinter den Stellplätzen bringt etwas Grün ins Spiel. Die Dusche ist in einem Container untergebracht und tut wirklich gut. Mal sehen, welche Köstlichkeiten es heute Abend im Yachthafen gibt.


Nachtrag: leckerer Ausklang im Hafen-Restaurant mit schönem Blick über den Finnischen Meerbusen und noch eine Runde über die Stege.



Tag 16: Tallinn - Kahala

Der feste Campingtisch mit Bänken aus Holz im Yachthafen auf der Wiese ermöglicht uns ein komfortables Frühstück. Mit einem Jeep Fahrer kommen wir ins Gespräch über Island, welches er in den 80er Jahren bereist hat. Island war zu DM Zeiten schon sehr teuer und je nach geplanter Fahrstrecke mußte eine Steuerabgabe bezahlt werden, da der Sprit für die Isländer subventioniert war.

Nach dem Packen mache ich einen Motorölcheck und der Füllstand ist bei knapp über Minimum. Ich fülle das restliche Reserveöl ein und wir suchen einen Zubehörhandel in Tallinn auf, wo ich noch etwas Vorrat kaufen kann. Das Garmin navigiert uns sicher durch die Stadt und wir finden den KFZ-Zubehörtempel auf Anhieb. Das entsprechende Motulöl ist auch da und noch gleich auf dem Parkplatz füllen wir etwas Öl nach. Mit gutem Gefühl fahren wir zurück in die Innenstadt.

Am Rande der Altstadt kostet das Parken 10 Cent pro Minute. Wir finden einen kostenlosen Parkplatz außerhalb der Gebührenzone in einem nahen Wohngebiet inmitten der alten Holzhäuser. In 10 Minuten haben wir die alte Stadtmauer von Tallin erreicht und beginnen unseren Rundgang. Es ist voll, sehr voll. Und, es wird ab Mittag noch voller. Reisegruppen aus Asien, Westeuropa und Übersee tummeln sich mit und ohne Führer durch Tallinn. Die Aussichtsplätze oben auf dem Burgberg sind rappelvoll, ebenso der Rathausplatz und die angrenzenden Restaurants. Wir nehmen einen kleinen Snack im Mittelalterrestaurant "Olde Hanse" aber nachdem die 3. Reisegruppe an uns vorbei in die 2. und 3. Etage vorbei zieht, wollen wir diesem Massentourismus enteilen und wieder aufs Land. Die Brötchen für den nächsten Tag kaufen wir bei einem Bäcker auf dem Weg zum Landy. Dann geht es weiter Richtung Osten.

Als die Ortsausfallstraße dreispurig wird, kommen die Trabantenvorstädte in Sicht. Dann geht es ein Stück über die A1 Richtung Narva/St. Petersburg. So weit wollen wir aber nicht und bereiten uns nach wenigen Kilometern auf das Abbiegen nach Links von der linken Fahrspur vor. Für uns ein etwas ungewöhnliches Fahrmanöver, hier im Baltikum aber üblich. Der Jägala Wasserfall ist touristisch nicht sehr bekannt und somit läßt sich diese Naturschönheit ausgiebig genießen. Auf dem Weg dorthin passieren wir auf der linken Seite eine Villa mit eigenem Rasentennisplatz und mit Glas überdachtem Carport. Es wird aber nur eine relativ kleine Luxuslimousine geputzt. Oft zu sehen sind Audi A6/8, 5/6/7er BMW und auch X-5/6, diverse Porsche SUV, Range Rover und all die Schätzchen, die in Deutschland keiner mehr haben will. Auf die Herkunft der Fahrzeuge kann mittels Fanaufkleber oder der Nummernschildhalterung gedeutet werden.

Am alten Wehrturm von Kiiu machen wir Kaffeepause. Die graue Strickjacke der alten Dame kennen wir aus dem WOMO-Buch und wir machen ein Erinnerungsfoto. Ein paar Souvenirs verschwinden im Landy aber da meine Eltern hier mitlesen, kann ich keine weiteren Details verraten. An dieser Stelle "Liebe Grüße" an meine Eltern.

Der Nachmittag neigt sich dem Ende und wir wollen nach den ganzen Eindrücken noch etwas Entspannen. Dazu bietet sich ein extrem kleiner und sehr privater Platz am Ufer des Kahala Sees an. Wir sind hin & weg und genießen die Ruhe auf dem Anwesen.



Tag 17: Kahala - Vainupea

Der Wetterbericht ist korrekt und es fängt schon früh in der Nacht zu regnen an. Wir waren darauf vorbereitet und alle losen Sachen sind im Landy verstaut. Wir schlafen, dem Wetter angemessen, etwas länger und ich gönne mir eine Dusche, die ich im Haupthaus mit Regenschirm erreiche.

Das gemeinsame Frühstück nehmen wir heute im Landy ein und das Verstauen der restlichen Sachen geht sehr schnell. Dann packen wir das Hubdach, erst zum 2. Mal auf dieser Reise, etwas feucht ein. Der Hausherr läßt es sich bei der Abfahrt nicht nehmen, uns seine Bilder und Skulpturen in der hauseigenen Galerie zu zeigen. Sein Thema gilt ganz augenscheinlich dem menschlichen Wesen und hier insbesondere dem Weiblichen. Seine Skulpturen sind auch überall auf dem ganzen Anwesen anzutreffen, manchmal allerdings etwas versteckt.

Peep erzählt noch etwas zu der Historie. Sein Großvater hat das Anwesen gekauft und es wurde nach dem Krieg von den Sowjets enteignet. Nach der Unabhängigkeit Estlands bekam die Familie das Anwesen zurück und Peep hat es zu dem gemacht, was es heute ist. Eine Oase am Kahala See.

Wir fahren im Regen Richtung Norden nach Juminda. Ganz nah am Meer finden wir dort das Denkmal für die Gefallenen des 2. Weltkrieges. Auf einer Anschauungstafel wird dargestellt, welche Schiffe mit jeweils wievielen Menschen in den Tagen vom 28. und 29. August 1941 auf der Flucht aus Tallinn gesunken sind. Insgesamt sanken 62 Schiffe und 15.000 Menschen verloren dabei ihr Leben. Begreifen können wir das alles nicht.

Von der Juminda Halbinsel fahren wir weiter zu dem Majakivi. Der Majakivi ist einer der großen und spektakulären Findlinge, die die Gletscher aus Finnland und Schweden während der letzten Eiszeit mitgebracht haben. Heute liegt dieser Findling im Moor und ist über eine ausgewiesene Wanderstrecke erreichbar. Die kleinen Plagegeister warten schon auf die Besucher. Über eine Sprossenleiter kann der Fels von Mutigen erklommen werden.

Weiter geht es zum Hafen von Hara. Es ist eine Ruine aus der Besatzungszeit und war von militärischer Bedeutung. Hier wurden die Russischen U-Boote entmagnetisiert und es war eine von insgesamt drei solcher Stationen in der Sowjetunion. Die zugehörige Kaserne ist ebenfalls nur noch Ruine und der Wald hat sich längsts einen Großteil zurück erobert.

In Loksa legen wir einen Verpflegungshalt ein und planen schon mal die nötigsten Lebensmittel für die Rückreise ein. Dann machen wir uns auf zu dem Gutshof von Palmse. Die Außenanlagen sind frei zugänglich und präsentieren sich prächtig in der Nachmittagssonne. Auf dem gegenüberliegenden Parkplatz akzeptiert die Souvenirverkäuferin auch Kreditkarten aber angesichts der geringen Nachfrage verstaut sie das Mitgebrachte im Auto und fährt von dannen.

Wir verlassen ebenfalls das Anwesen, widmen uns im Lahemaa Nationalpark noch einem Biber-Lehrpfad und kehren dann in der fensterlosen Taverne Altja Körts ein. Estnische Küche verwöhnt unsere Gaumen und dann müssen wir nur noch einen Schlafplatz finden. Da der Sturm so stark ist, verzichten wir auf einen Stellplatz in der Nähe von Bäumen und stehen bei Vainupea direkt am Meer. Morgen früh schauen wir mal nach, ob die aufgewühlte See etwas Bernstein an den Sandstrand befördert hat.



Tag 18: Kahala - Tallinn - auf See

Die ganze Nacht war es stürmisch und heute früh bläst der Wind immer noch ordentlich. Dafür scheint nun die Sonne und die dunklen Wolken werden über das Land getrieben. Den Strandgang sparen wir uns und packen den Landy in Ruhe zusammen. Gefrühstückt wird heute an einer etwas windstilleren Ecke an einem Feldrand im Nationalpark. Brötchen aufbacken in der Pfanne geht echt prima und es schmeckt auch noch lecker.

Wir tingeln noch durch den Nationalpark und unser Ziel sind die kleinen Straßen und Wege. Es geht über Rüttelpisten und Feldwege vorbei an noch blühenden Rapsfeldern und an diversen, brach liegenden Produktionsanlagen vergangener Zeit. In unmittelbarer Nachbarschaft der Anlagen befinden sich die Wohnblocks, von denen auch heute noch viele bewohnt wirken. Neben den Wohnanlagen sind sehr oft Holzscheite gestapelt und wird stellen uns die Frage, ob dort noch mit Holz geheizt oder die Sauna betrieben wird?

Auf der Baltik Karte haben wir ein paar schmale graue Straßen südlich der A1 entdeckt, die wir auf dem Weg nach Tallinn noch fahren wollen. Im Gegensatz zu der Karte der Pyrenäen, entpuppen sich diese Straßen aber als Feld- und Waldwege die derart zugewachsen sind, dass wir umkehren. Wir wollen uns am letzten Tag im Baltikum nicht noch Probleme einhandeln.

Auf dem Weg nach Tallinn sind wieder ein paar für uns unübliche Fahrmanöver an der Reihe. U-Turn und Linksabbiegen von der linken Fahrspur, auch wenn man sich gerade erst von rechts auf die Straße eingeordnet hat.

Im Tallinn tanken wir noch einmal voll, bevor wir uns am Check-In anstellen.


Noch ein Hinweis: In den Anzeigen oben beim Check-In läuft eine Information, für welches Schiff man sich anstellen darf. Beispiel: Bei "STAR 16:30" sollten sich nur die Fahrzeuge anstellen, die mit der STAR um 16:30 nach Finnland übersetzen. Wir fahren mit der Baltic Queen nach Stockholm und warten auf die entsprechende Anzeige. Wenn man sich zu früh anstellt, darf man drehen und entgegen dem Verkehrsstrom zurück. Voll peinlich.


Tag 19: Stockholm - Vadstena

Das Buffet gestern Abend an Bord war echt lecker, insbesondere die verschiedenen kalten und warmen Fischgerichte. Allerdings gab es zwei Slots zum Essen und kurz vor Ablauf der Zeit wurde man freundlich aber bestimmt zum Verlassen des Restaurants aufgefordert. Die Zapfanlagen für Bier und Wein wurden bereits 15 Minuten vor dem Ende der Essenszeit abgestellt.

Das Frühstück nehmen wir aber ohne Zeitdruck ein und auch hier stimmt die Qualität. Wir sind mit die ersten Frühstücksgäste, da der Sonnenaufgang gefühlt vor 5:00 heute früh war und die Sonne in die Kabine schien. Aber so richtig dunkel war es die ganze Nacht nicht.

Die Baltic Queen schippert um die 4 Stunden durch die Schären. Mal sind es nur kleine, karge Felsen, mal bewaldete und bewohnte Inseln. Mal sind die Insel weiter weg, mal hat man das Gefühl Blumen pflücken zu können. Eine sehr reizvolle Landschaft, die wir ausgiebig vom Sonnendeck an Backbord genießen. Solange, bis die nervende chinesische Reisegruppe auftaucht. Einfach viel zu laut und zu viele von ihnen, genau wie auch schon in Tallinn. Aber die lassen wohl das Geld da, was den Tourismus ankurbelt. Wir favorisieren das leisere und individuelle Reisen.

Und auch deshalb machen wir nach der Ankunft in Stockholm nicht die Stadt unsicher sondern verdünnisieren uns Richtung Süden aufs Land. Der Verkehr in Stockholm, die Baustellen und der einsetzende Regen machen uns die Entscheidung leicht. Wir steuern Motala am Göta-Kanal an und erkunden das Motormuseum. Es hat sich dort so einiges in den letzten 20 Jahren verändert. Die Ausstellung wurde glatt um Mobiltelefone und analoge Kameras erweitert. Ein Volvo P1800 aus meinem Geburtsjahr steht da wie am ersten Tag.

Auf der Suche nach einem Lebensmittelgeschäft spielt das Garmin alle Facetten aus. Der ICA Markt hat wegen Konkurs geschlossen, der in der Nähe befindliche Supermarkt deutscher Herkunft befindet sich im Bau. Wir brauchen aber auch eigentlich nichts und steuern den Campingplatz an. "Alles voll" ist die erste Aussage an der Rezeption aber da wir nur einen kleinen Platz ohne Strom benötigen, dürfen wir uns am Ende vom Platz umsehen. 600 Meter von der Rezeption entfernt finden wir unseren Platz für die Nacht. Morgen und übermorgen ist Feiertag in Schweden und Midsommer. Deshalb sind wirklich alle schwedischen Camper unterwegs. Mal sehen, wo wir morgen auf dem Weg in die Heimat übernachten werden.



Tag 20: Vadstena - Fehmarm

Wir sind früh wach, frühstücken vor all den Anderen und fahren die 700 Meter zur Rezeption. Beim Auschecken und dem Bezahlen sind wir so richtig wach. Die Preise sind mal echt gesalzen: ein Stück Wiese ohne Strom = 32 €. Da war es im Baltikum doch deutlich preiswerter und oft auch familiärer und da sind die Anzahl der Sterne ( = Ausstattungs-/Qualitätsmerkmal der Campingplätze) mal echt egal.

Nach wenigen Kilometern fallen uns die roten Streifen am Horizont auf und wir biegen in einen Feldweg ein. Zwischen der Straße und dem Getreide treffen wir auf ein Meer aus Klatschmohn und darin versteckten Kornblumen und legen eine Fotopause ein.

Dann geht es ohne besondere Vorkommnisse auf dem direkten Weg nach Rødbyhavn und von dort mit der Fähre nach Puttgarden. Auf einem Wohnmobilplatz stört das Windrad in der direkten Nachbarschaft aber wir finden noch einen schönen Platz am Nordrand der Insel.


Tag 21: Fehmarm - Neuss

Der früh einsetzende Regen begleitet uns den ganzen Tag. Zwischen Hamburg und Bremen ist die A1 mal wieder komplett zu, dank der Reduzierung von drei auf eine Fahrspur. Die A7 wäre auch nicht besser gewesen. So erkunden wir das Gebiet entlang der Weser und auch hier wird viel gebaut und es geht am Anfang etwas schleppend voran. Dafür sehen wir wieder viel Neues und die Strecke ist alles andere als langweilig.

Nach ganz knapp über 6.000 gefahrenen Kilometern sind wir am Abend wieder zu Hause. Der Blog wird nun überarbeitet und die Fotos Tag für Tag nachgepflegt.